Das Sein sein lassen (Erschienen in der "Komma zum Punkt" Buch Anthologie)
Das Leben ist verrückt. Ich meine, es ist doch wirklich
absurd. Irgendwann hat sich das Universum dazu entschieden, von heute auf
Morgen, was unsinnig ist, weil es ja zu dieser Zeit noch keine Zeit gegeben
hat, sich ohne Vorankündigung in das Sein zu werfen. Es wollte sein oder
zumindest wollte es nicht mehr alleine sein, nicht mehr Nichts sein. „Nicht
sein. Gibt es das überhaupt?“, frage ich mich.
Heute unzählige Jahre später denke ich über das Sein und das
Nicht-Sein nach und es kommt mir fast so vor, als wäre es gestern gewesen als das
Universum als Sein aus dem Ei des Nicht-Seins geschlüpft ist und sich dann in
atemberaubender Geschwindigkeit bis hier hin ausgebreitet hat, bis hin zu
diesem Moment, der meiner Meinung nach immer noch der Selbe ist.
Ich beobachte diesen Moment.
Ich beobachte diesen Moment.
Ich lasse für einen Moment das Bewerten sein um das Sein zu
lassen was ist und beginne die Gedanken über das Sein loszulassen. Auch die großen
Fragen des Lebens, die noch bis eben meine schlaflosen Nächte mit Gedanken
gefüllt und meine wirren Tage mit Sehnsucht begleitet haben, lasse ich los, ich
lasse sie sein.
Vielleicht haben es die großen Philosophen ja gut gemeint, denke
ich mir. Diese großen Denker mit ihren endlosen Bemühungen das Sein zu erklären
und zu bestimmen, was der Mensch denn eigentlich in diesem Sein verloren hätte
und wie er sich darin verhalten solle.
Vielleicht hatten sie aber auch nicht das Recht dazu, das
Sein zu ergründen und uns zu sagen, wer wir darin sind und wie wir uns darin zu
verhalten haben. Denn wir sind doch nichts Bestimmtes, nichts Festes, wir sind
doch nichts. Wir verändern uns doch schließlich ständig. Ob wir nun sind oder
werden, Ob wir gut oder schlecht, endlich oder unendlich sind, das weiß ich nicht.
Ich glaube wir müssen das auch gar nicht wissen. Ja, vielleich sollten wir das
Sein einfach mal in Ruhe lassen und das Sein lassen.
Wir geben den Dingen Namen und grenzen sie ein. Wir ordnen ihnen Eigenschaften zu und orientieren uns dann an diesen Eigenschaften. Während wir sie benennen und besitzen wollen, verlieren wir sie jedoch gleichzeitig. Sprache ist unendlich schön und ohne sie würde eine hochkomplexe Gesellschaft wie die Unsrige wohl nicht funktionieren. Gott sei Dank, so sagen die Gläubigen.
Doch ich glaube nicht mehr daran. Für mich hat die Sprache ihre Bedeutung verloren. Ich spreche nicht gerne, darüber. Denn ich möchte euch nicht mehr länger sagen, was ihr sein sollt. Ich will euch nicht mehr in meine begrenzte Weltanschauung reinpressen, wie faule Äpfel in einen frischgepressten Orangensaft. Nein, ich will euer Geheimnis bewahren und lasse euch in Ruhe. Ich lasse euch Sein. Was ihr dann sein wollt, das ist mir gleich. Ich höre euch allen gerne zu. Ich höre dir zu wie den schweigenden Pflanzen auf meinem täglichen Heimweg oder dem, durch die Äste pfeifenden Wind wenn ich einmal im Wald spazieren gehe. Genauso höre ich auch dir zu, was du zu sagen hast. Wie du das Leben verstehst. Was du denkst und fühlst. Ich fühle es auch, nur alles, was ich fühle, zer-denken, das will ich nicht mehr.
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